Schätzen im Zeitalter des Taschenrechners

CHF 29.90

Mein Schwager in Frankreich hat bei der Korrektur von Maturaprüfungen die Anweisung, Ergebnisse in Mathematik und Physik als korrekt gelten zu lassen, wenn die Zahlen stim- men. Es spielt also keine Rolle, ob bei einer Energieverbrauchsberechnung Watt, Ampere oder gar keine Einheit steht. Eine sinnvolle Beschränkung aufs Wesentliche?
Das vorliegende Lehrmittel zeigt auf anregende Art, dass Mathematik aus weit mehr als übertrieben genauen Zahlen besteht. Wir alle wissen aus eigener Erfahrung und aus Beob- achtungen im Unterricht, wie oft bei Ergebnissen mit vielen Stellen hinter dem Komma eine Genauigkeit vorgegaukelt wird, die weder hinterfragt noch in einen Zusammenhang gestellt ist. Selbstverständlich ist die Aneignung von Kenntnissen und Fertigkeiten nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil eines modernen Mathematikunterrichts, bloss darf er nicht darauf reduziert werden. Ziel eines sinnvollen Mathematikunterrichts muss die Entwicklung eines gesicherten Verständnisses mathematischer Inhalte sein. Wer eine Vorstellung von grossen Zahlen hat, wer sich Gedanken über die sinnvolle Genauigkeit eines Ergebnisses macht, wer ungefähre Grössenangaben durch Vergleiche abstützen kann, fördert die Entwicklung des Zahlensinns und verschafft sich so Vorteile für die tägliche Lebensbewältigung. Auch wenn Mathematik der Inbegriff für Exaktheit und Präzision ist, führt erst das Mathematisieren über Schätz- und ÜÜerschlagsaktivitäten zu einem sinnvollen, alltagstauglichen Wissen. Folglich ist es wichtig, diese kontinuierlich in den Unterricht aufzunehmen und immer wieder aufzugreifen. Das Schätzen und die Sicherheit im Sortenumrechnen haben also paradoxerweise gerade im Zeitalter des Taschenrechners an Bedeutung gewonnen.

Sorten_Inhaltsverzeichnis_S2

Leseprobe_1
Leseprobe_2
Leseprobe_3